top of page

Warum eine Weltstadt jetzt Mülltonnen entdeckt

  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Bild der neuen New Yorker Müllcontainer. Quelle: DSNY

August 2009. Unser erster Besuch in New York. Unser Hotel war das Empire Hotel unmittelbar gegenüber vom Lincoln Center. Wer schon mal im Hochsommer in Manhattan war, hat den alten Gag, dass New York und Neapel auf dem selben Breitengrad liegen vielleicht auch schon mal gehört. Es kann unfassbar heiß und schwül sein. Auf unserem täglichen Weg zur Subway liefen wir Richtung Columbus Circle morgens oft an den schwarzen Plastiksäcken vorbei und man wünschten uns in diesen Momenten eine verstopfte Nase.


Was für viele Touristinnen und Touristen überraschend ist, gehört in der Metropole seit Jahrzehnten zum Alltag. Doch genau dieses System steht jetzt vor einem grundlegenden Wandel.


Anders als in den meisten europäischen Städten wurde der Müll in New York lange Zeit schlicht in Plastiksäcken auf den Gehweg gestellt. Das hat historische Gründe: enge Gebäude, wenig Platz für Tonnen und ein System, das sich über Jahrzehnte eingespielt hat. Doch die Nachteile sind offensichtlich. Offene Müllsäcke ziehen Ratten an, sorgen für unangenehme Gerüche und prägen das Straßenbild auf wenig schmeichelhafte Weise.


Gerade das Rattenproblem ist in New York legendär – und politisch zunehmend brisant geworden.

Nun versucht die Stadt, das System grundlegend zu modernisieren. Schritt für Schritt werden Mülltonnen eingeführt, die verpflichtend genutzt werden sollen – zunächst für kleinere Wohngebäude. Diese Tonnen sind verschließbar, robuster und sollen verhindern, dass sich Tiere am Müll bedienen.


Parallel dazu testet und erweitert New York größere Straßencontainer für dicht bebaute Viertel. Diese sogenannten „Containerlösungen“ könnten langfristig das Stadtbild stark verändern: weniger Müll auf den Gehwegen, dafür zentrale Sammelpunkte, die maschinell geleert werden.


So sinnvoll die Reform klingt, so kompliziert ist ihre Umsetzung. Viele New Yorkerinnen und New Yorker müssen sich die neuen Tonnen selbst anschaffen – was nicht überall auf Begeisterung stößt. Hinzu kommen praktische Probleme: begrenzter Platz auf Gehwegen, Konkurrenz um Parkplätze und ein Müllabfuhrsystem, das bislang auf lose Säcke ausgelegt ist.


Auch die Versorgung mit den neuen Tonnen läuft nicht immer reibungslos. Verzögerungen und Engpässe zeigen, wie groß der organisatorische Aufwand hinter dieser Umstellung ist.


Trotz aller Schwierigkeiten gibt es erste positive Signale. In einigen Vierteln sind bereits weniger Ratten zu sehen, und das Straßenbild wirkt ordentlicher. Doch bis New York ein Müllsystem hat, das mit europäischen Standards vergleichbar ist, dürfte es noch Jahre dauern.


Ob der Wandel gelingt, wird sich zeigen. Klar ist aber schon jetzt: Selbst in einer Weltstadt wie New York können scheinbar einfache Dinge wie Mülltonnen zu einer echten Herausforderung werden.


Unabhängig davon haben wir uns bisher gegen erneute Besuche von NY im Hochsommer entschieden.

 
 
 

Kommentare


© 2025 by New York Infoblog

© Pictures: Dirk Gärtner
bottom of page